New Haven, Connecticut – Seit die Bewohner des Sunset Ridge Apartments einen Mieterverein gründeten, häufen sich Vorfälle mit Abschleppungen. Viele der Mieter beziehen staatliche oder bundesweite Miethilfen und können sich hohe Abschleppgebühren kaum leisten. Doch statt nachzulassen, ignorieren einige Abschleppfirmen das neue Gesetz, das seit Oktober 2023 in Kraft ist.
Das reformierte Gesetz sollte die Rechte von Geringverdienern stärken: Abschleppfirmen müssen seitdem vor einer Zwangsmaßnahme eine Vorwarnung aussprechen, auch außerhalb der Geschäftszeiten erreichbar sein und Kreditkartenzahlungen akzeptieren. Doch wie im Fall von Elias Natal zeigt, halten sich nicht alle Unternehmen daran.
Abgeschleppt trotz gültiger Parkgenehmigung
Als Natal eines Abends im Dezember zu seinem Buick zurückkehrte, war das Fahrzeug verschwunden. Die Abschleppfirma Lombard Motors behauptete, Natal habe keine Parkgenehmigung vorgewiesen – obwohl Fotos belegen, dass das Schild wie vom Hausverwalter angewiesen auf der Windschutzscheibe klebte. Zudem fehlten an den Sunset Ridge Apartments die gesetzlich vorgeschriebenen Warnschilder für Abschleppungen, wie Mieter und Journalisten vor Ort feststellten.
Als Natal und seine Partnerin Jasmin Flores das Fahrzeug auf dem Abschlepphof fanden, war Lombard Motors bereits geschlossen. Eine Rückgabe war nicht möglich, zusätzliche Lagergebühren fielen an. Innerhalb von vier Tagen beliefen sich die Kosten auf fast 500 Dollar. Die Firma verlangte Bargeld – und verweigerte zunächst die Herausgabe des Wechselgelds. „Nach den horrenden Gebühren auch noch unser Kleingeld nicht zurückzubekommen, ist entwürdigend“, sagte Natal.
Gesetz wird systematisch umgangen
Die neue Regelung sieht vor, dass Abschleppungen in Wohnanlagen nur bei konkreten Beschwerden erfolgen dürfen. Doch wie Recherchen des Connecticut Mirror und ProPublica zeigen, patrouillieren Abschleppfirmen weiterhin gezielt in sozial schwachen Vierteln und ziehen Fahrzeuge wegen Bagatellen wie falscher Parkposition ab. In Norwalk gehören sieben der am häufigsten abgeschleppten Grundstücke zu Sozialwohnungen.
Die systematischen Verstöße gegen das Gesetz unterstreichen ein strukturelles Problem: Trotz Reformen profitieren Abschleppfirmen weiterhin von den finanziellen Nöten einkommensschwacher Haushalte. Die Betroffenen haben kaum eine Chance, sich gegen die hohen Gebühren zu wehren – besonders wenn die Firmen die neuen Vorschriften ignorieren.
„Die Gesetze wurden geändert, aber die Praxis bleibt dieselbe. Abschleppfirmen handeln, als gälten die alten Regeln weiter.“ – Tawana Galberth, Mietervereinsleiterin in New Haven
Forderungen nach strengeren Kontrollen
Mieterinitiativen und Sozialverbände fordern nun strengere Überwachung und Sanktionen gegen Abschleppfirmen, die das Gesetz ignorieren. „Es reicht nicht, Gesetze zu beschließen – sie müssen auch durchgesetzt werden“, betont Galberth. Bis dahin bleiben Geringverdiener wie Natal auf den Kosten sitzen – trotz rechtlicher Verbesserungen.