Vor fast 16 Jahren startete Uber als UberCab und revolutionierte den Personentransport. Heute scheint das Unternehmen weniger an Fahrten interessiert zu sein als daran, was Nutzer vor und nach einer Fahrt tun. Der jüngste Beweis für diesen Wandel kam auf der Go-Get-Veranstaltung in New York: Statt mit Autos präsentierte Uber vor allem Hotelzimmer und Reiseangebote.

„Uber bietet im Kern einen Service: Wir geben Ihnen Ihre Zeit zurück“, erklärte CEO Dara Khosrowshahi zu Beginn der etwa 40-minütigen Präsentation. Die neu vorgestellten Funktionen unterstreichen diesen Anspruch: Die App soll künftig nicht nur Fahrten, sondern das gesamte Reiseerlebnis abdecken – von der Unterkunft bis zum Concierge-Service. Damit positioniert sich Uber nicht mehr nur als Konkurrenz zu Lyft, sondern auch zu Plattformen wie Airbnb, die längst in den Bereich „Erlebnisse“ und Hotelbuchungen expandiert haben.

Hotelbuchungen direkt in der Uber-App

Ein zentrales Highlight der Präsentation war die Integration von Hotelbuchungen in die Uber-App. Dabei nutzt das Unternehmen die Suchfunktionen seines ehemaligen Expedia-CEO Khosrowshahi und leitet die Buchungen über das eigene Zahlungssystem. „Eine Hotelbuchung in der Uber-App soll sich anfühlen wie eine einfache Fahrt“, sagte Amit Fulay, Vice President of Product, auf der Bühne.

Für Abonnenten des Uber One-Mitgliedschaftsprogramms (9,99 US-Dollar pro Monat) gibt es zusätzliche Vorteile: mindestens 20 % Rabatt auf ausgewählte Hotels sowie eine Gutschrift von 10 % in Form von Uber One-Credits. Allerdings steht diese Funktion aktuell vor rechtlichen Herausforderungen: Die US-Bundeshandelskommission (FTC) verklagte Uber im April 2025 wegen angeblich irreführender Werbung für das Abo.

Loyalitätsprogramme: Wer profitiert wirklich?

Ein oft unterschätzter Aspekt bei Hotelbuchungen über Drittanbieter ist der Verlust von Treuepunkten oder Statusvorteilen in den hoteleigenen Programmen. Uber übernimmt hier die Rolle des Loyalitätsanbieters – ähnlich wie Expedia mit seinem One Key-Programm. Ob sich das für Nutzer lohnt, hängt davon ab, wie sie die Uber One-Credits im Vergleich zu Punkten von Marken wie Marriott bewerten.

Die App ermöglicht zwar die Filterung nach Preis, Bewertungen und Ausstattung, doch die Standard-Rangliste bleibt intransparent. Ein Test während der Veranstaltung für ein Hotel in Chicago (8.–10. Mai) zeigte das Trump International Hotel and Tower als Top-Ergebnis – trotz eines Preises von 1.322 US-Dollar. Nach Rückkehr in die Heimatstadt Washington, D.C., war die Hotelbuchungsfunktion in der App mit „Demnächst verfügbar“ gekennzeichnet. Ob Nutzer künftig bestimmte Hotelketten bevorzugen oder ausschließen können, ist noch unklar.

Kritik: Ein „Alles-App“-Ansatz mit Risiken

Ubers Vision einer „One app for everything“ erinnert an ähnliche Pläne anderer Tech-Giganten – etwa Elon Musks gescheiterte Pläne, aus X eine universelle Plattform zu machen. Doch während eine App für alle Reisebedürfnisse verlockend klingt, wirft sie Fragen auf: Wie sicher sind die Daten? Werden Nutzer in eine Abhängigkeit gedrängt? Und lohnt sich der Aufwand wirklich, wenn die Funktionen noch unausgereift sind?

Fest steht: Uber will mehr sein als nur ein Fahrdienst. Ob die Nutzer das Angebot annehmen, bleibt abzuwarten – besonders, wenn die Konkurrenz wie Booking.com oder Airbnb bereits etablierte Lösungen bieten.